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design report
*Heft 05/2004 |
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Dinge aus dem Einfallsreich
Am Anfang war das Wort: speziell. Laut Duden bedeutet
es: im Besonderen. Sybille Fleckenstein, Jens Pohlmann und Thilo
Schwer gaben ihrem Büro den Namen: Speziell Produktgestaltung.
Und der ist Programm. Denn wann ist etwas speziell oder besonders?
Wenn gewohnte und alltägliche Dinge in Frage gestellt werden
und eine neue, überraschende Antwort gegeben wird: Wenn weiches
Dekor auf Porzellan erscheint. Mit dieser Idee traten sie an einen
Hersteller heran, der für innovative Gestaltung bekannt ist:
Kahla in Thüringen. Und das war der Beginn einer besonderen
Zusammenarbeit. Für die Geschirrserie Five Senses
von Barbara Schmidt gestalteten die drei ein neues Dekor. Bei der
daraus entstandenen Reihe Five Senses Black touch! fühlt
der Tassenhenkel sich samtig an. Er ist in Oberfläche und Farbe
kontrastreich abgesetzt. Das kühle, weiß reflektierende
Porzellan steht dem matten, samtenen Schwarz gegenüber. Durch
die Oberflächenbeschichtung wird die klassische, rein ästhetische
Funktion des Dekors erweitert. Ein Produkt auf dem Produkt,
das isolierend wirkt und zum Greifen einlädt. Eine den Umriss
des Henkels zitierende schwarze Linie ziert die asymmetrische Untertasse.
Diese Linie wird bei den Tellern der Serie aufgegriffen und erzeugt
im gestapelten Zustand ein grafisches Muster. Wie die Coffeemania
Collection Edition speziell und die Update Twin
Sets touch! wird dieses Service ab Mai im Handel sein.
Sybille Fleckenstein, Jens Pohlmann und Thilo Schwer lernten sich
an der HfG Offenbach kennen. Bei einem gemeinsamen Projekt im Rahmen
des Studiums reifte die Erkenntnis, dass bei ihnen der Satz mehr
als die Summe der einzelnen Teile zutrifft. Deshalb teilten
sie sich schon für ihre Diplomarbeiten einen Arbeitsraum, und
als sie dann mit den Bildungszertifikaten in den Händen exmatrikuliert
wurden, gründeten sie im April 2001 das gemeinsame Büro
in Offenbach. Zur Visualisierung ihrer Entwürfe setzen sie
durchgängig das Mittel des Renderns ein. Ein klares und stilisiertes
Bild soll entstehen, das nicht versucht Wirklichkeit nachzuahmen.
Denn die Wirklichkeit, die physische Realität, die Haptik bleibt
dem gefertigten Produkt vorbehalten. Der Entwurf der Speziell
Liege zeigt diese Arbeitsweise sehr deutlich. Ihre klare Formensprache
kommt zum Ausdruck und noch ist der Raum, in dem die Liege aufgestellt
ist, virtuell: Wie die Flosse eines abtauchenden Wales steht sie
da. Der Ruhe-Suchende wird zu einer Seite abgeschirmt, so kann das
Gefühl von Geborgenheit entstehen. Durch den skulpturalen Charakter
ist die Liege in den eigenen vier Wänden, aber eben auch im
halb öffentlichen Raum verwendbar.
Ihr Büro ist der Ballungsraum spezieller Ideen, die sie wie
Spielbälle hin und her werfen. Bälle, die dabei auf den
Boden fallen und mit denen scheinbar nichts anzufangen ist, werden
in einem Ideenordner gesammelt. Beim Stöbern in diesem Behälter
stolpern sie immer wieder über pfiffige Einfälle, die
bei anderen Projekten dann doch zum Einsatz kommen können.
Dieses Spielballsystem kommt immer mehr ins Rollen: Gerade arbeitet
Speziell Produktgestaltung mit dem Leuchtenhersteller Belux und
dem Badspezialisten Keuco zusammen. Man kann also gespannt sein,
was da noch auf uns zukommt.
Autor: Florian Wiesner
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