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form _ Zeitschrift für
Gestaltung
*Heft 203 _ Juli/August 2005 |
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Flock Fusion
Seit einiger Zeit taucht er wieder in Autohecks auf
- der Wackeldackel mit dem weichen Kunststofffell. Hauptsächlich
aber sorgt die Technologie der elektrostatischen Beflockung im Bausektor,
in der Fahrzeug- und Kosmetikindustrie für pelzige Oberflächen.
Dabei erstaunt der strapazierfähige Flock mit der Vielfalt
seiner Eigenschaften: Er eignet sich als Wärmeisolierung in
erhitzten Maschinen oder als Schallschutz im Tonstudio. Und beflockte
Fensterführungsprofile im Auto verfügen über optimale
Dicht- und Gleiteigenschaften. Ob Schraubenköpfe, Malerwalzen
oder Plattenteller - nahezu jede Oberfläche lässt sich
beflocken. Hierzu wird Klebstoff auf das Trägermaterial aufgebracht,
das an positiv aufgeladenem Potenzial liegt. Werden die negativ
aufgeladenen Flockfasern darauf verteilt, richten sie sich durch
die elektrostatische Ladung immer senkrecht zur Oberfläche
auf, wodurch ein dichter Flor entsteht. Nachdem der Kleber getrocknet
ist, werden überschüssige Fasern entfernt. Da der Klebstoff
bei Bedarf im Siebdruckverfahren aufgetragen werden kann, sind auch
filigrane Muster und Schriftzüge realisierbar. Die Beschaffenheit
des Klebstoffes und der Fasern, deren Dichte und Länge lassen
sich auf die Anforderungen an das jeweilige Produkt abstimmen.
Überraschungserfolg
Aber werden bislang die Gestaltungsmöglichkeiten mit der Beflockung
von Armaturen, Geschenkbändern und Puderquasten ausgeschöpft?
Nein, meinten Sybille Fleckenstein, Jens Pohlmann und Thilo Schwer
von speziell produktgestaltung und fanden neue, außergewöhnliche
Anwendungsmöglichkeiten für Flock. "Ursprünglich
suchten wir eine wärmende Beschichtung für eine Metallbank",
erzählt Pohlmann. "Aber dann kam uns der Gedanke, weiteren
Produkten eine flauschige Oberfläche zu verpassen." Für
ein erstes Modell wurde eine Tasse an den später zu beflockenden
Stellen mit farbigem Papier beklebt. Dieses Muster präsentierte
das Offenbacher Design-Team dem Thüringer Porzellanhersteller
Kahla. Gemeinsam wurde das Geschirrservice touch!
entwickelt, das dem Nutzer mit samtiger Beschichtung der Tassen
und Untertassen nicht nur ein haptisches Vergnügen, sondern
auch Wärmeisolierung und Geräuschminderung garantiert.
Um speziellen Ansprüchen wie Abriebfestigkeit und Lebensmittelechtheit
gerecht zu werden, mussten optimale Klebstoffe und Fasermaterialien
ausgewählt werden. Mit Hilfe von Forschungsinstituten ließ
sich in einem langwierigen Prozess die mittlerweile patentierte
Technologie für spülmaschinentaugliche Beflockung entwickeln.
Der überraschende Erfolg von touch! verlangt nun sogar
den Ausbau der Produktionskapazitäten bei Kahla.
Neue Dimensionen für bewährte
Technologie
So wurde der Verband der Flockindustrie Europa e.V. (www.flock.de)
auf speziell aufmerksam und gewann das Design-Büro für
eine Imagekampagne, die das Potenzial der Technologie in der Öffentlichkeit
publik machen soll. Dabei entstand beispielsweise eine Kommode,
deren Schubladen auf einer beflockten Edelstahlschiene lautlos und
ganz ohne Mechanik aufgleiten. Eine samtige Türklinke verspricht
bei jedem Türöffnen ein haptisches Erlebnis, und mit von
innen beflockten Schmuckringen wird die Hautverträglichkeit
der Fasern unter Beweis gestellt. Während die beflockte Kufe
eines Holzschaukelpferdes für Kratzschutz und geräuscharmes
Schaukeln sorgt, bietet sein samtiger Sattel Sitzkomfort und Rutschsicherheit.
speziell sind natürlich nicht die ersten Kreativen, die sich
mit Flock befassen. Schon die 1995 von Friedensreich Hundertwasser
illustrierte Bibel bestach durch flauschige Oberflächen. Buch-
und Spieleverlage setzen den haptischen Reiz der Beflockung ein,
um Kinder mit plüschigen Puzzles oder Büchern zum Spielen
und Lernen zu animieren. Im Textil-Design werden mit modischer Kleidung
und bequemen Sitzmöbeln immer mehr Möglichkeiten der Beflockung
ausgeschöpft. Und bunt beflockte Poster dekorierten Jugendzimmer
bereits in den Siebziger Jahren. Mit schlichten und gleichzeitig
emotionalen Produkten schafft speziell jedoch neue Dimensionen,
indem der Einsatz von Flock neben dem sinnlichen Vergnügen
immer diverse zusätzliche Vorteile bietet. An positiver Resonanz
mangele es nicht, berichtet Pohlmann. Schwieriger gestalte sich
die Aufgabe, entsprechende Hersteller zu finden. "Wir brauchen
mehr Produzenten wie Kahla, Firmen mit Mut für außergewöhnliche
Produkte."
Autor/in: Wiebke Lang
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